Dass immer mehr Menschen das Internet für ihre Urlaubsplanung nutzen, ist kein Geheimnis. Der BITKOM und der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) gaben diese Woche einige Zahlen dazu bekannt. Die entsprechende Presseinformation wirft allerdings mehr Fragen auf als sie beantwortet. Mal ist von Personen über 14 Jahren, mal von Personen mit Internet-Zugang die Rede. Auch die Bezugsgrößen und Vergleichszeiträume sind nicht klar definiert, zudem werden verwirrende Zahlen genannt.
So wird aus der Schlagzeile „15 Millionen Deutsche buchen ihren Urlaub online“ im Pressetext „15 Millionen Deutsche haben bereits eine Reise oder einen Teil davon online gebucht […]“. Beide Zahlen sind durchaus beeindruckend, haben aber unterschiedliche Aussagen. Zumal nicht klar ist, auf welchen Zeitraum sich die Angabe bezieht. Haben sie irgendwann mal etwas online gebucht (und danach vielleicht nie wieder) oder bezieht sich die Angabe auf das vergangene Jahr?
Spektakuläre Zuwächse
Direkt unter der Schlagzeile findet sich anstelle eines Teasers ein vorweggenommes Highlight: „Buchungsraten steigen von 6 auf 38 Prozent“. Whow! Ein sensationeller Zuwachs. Erst viel später im Text wird klar, dass es sich dabei um einen Vergleich der Zahlen von 2003 und Januar 2008 handelt. Auch der Begriff „Buchungsrate“ ist dabei etwas irritierend, denn gemeint ist hier nicht der Anteil der Besucher einer Website, die dann auch dort buchen, sondern die Zahl „der Deutschen mit Internetzugang“ insgesamt.
Und in der Einleitung sind es „71 Prozent der Deutschen über 14 Jahren mit Internet-Zugang“, die „vor der Buchung das Internet für Preisvergleiche genutzt haben“. Später im Fließtext heißt es „72 Prozent der Surfer gehen ins Netz, um Informationen für den Urlaub zu sammeln.“ Liegen diesen Aussagen tatsächlich zwei verschiedene Fragestellungen zugrunde oder handelt es sich um ein und den selben Wert, nur unterschiedlich formuliert und einmal mit einem Tippfehler (72 statt 71) versehen?
Anmerkung, 05.04.08: Der VIR hat in einer Mail klargestellt, dass es sich tatsächlich um zwei unterschiedliche Fragestellungen bzw. Aussagen handelt.
Fünf Städte auf den ersten vier Plätzen
Ein weiteres Beispiel für die Auswirkung vermeintlicher Kleinigkeiten: „Bei kurzen Städtetrips belegen Rom, New York, Berlin, London und Wien die ersten vier Plätze.“ Die ersten vier Plätze? Wir lesen da fünf Städtenamen. Auch nur ein Tippfehler? Oder sind vielleicht zwei dieser Städte gleichauf platziert? Aber würde man die Nummerierung dann nicht trotzdem nach Anzahl der bessser Platzierten vornehmen? Muss man sich denn alles selbst zusammen reimen? Und wer liest da eigentlich Korrektur?
Sorry, es mag dem einen oder anderen ja kleinlich erscheinen, aber wir haben tatsächlich nicht nach Fehlern und Ungereimtheiten gesucht - sie waren einfach da! Aufgefallen sind sie bei dem gescheiterten Versuch, schnell einen eigenen kurzen Einleitungstext zu schreiben und darin die wichtigsten Zahlen zusammenzufassen.
Geheimnisvolle Studie
Auch bei der Quelle kamen wir ins Schleudern. Wo kommen die Daten eigentlich her? „Grundlage ist die Studie ‘Reiseanalyse 2008′, für die 7.800 Deutsche repräsentativ befragt wurden“ heißt es vage im Einleitungstext. Aha, und wer hat diese Studie durchgeführt? Kann man sie irgendwo einsehen oder herunterladen? Keine Information. Gut, wir vermuten(!) die jährliche FUR-Reiseanalyse, die auf der ITB vorgestellt wurde, als Quelle der hier präsentierten Zahlen. Aber ein entsprechender Hinweis wäre trotzdem angebracht.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit dieser Kritik soll keinesfalls in Frage gestellt werden, dass das Internet gerade in der Tourismusbranche schon jetzt enorme Bedeutung hat und diese Bedeutung weiter steigen wird. Im Gegenteil: Wir sind davon überzeugt, dass das Internet auch quantitativ sehr bald alle anderen Vertriebskanäle hinter sich lassen wird. Dies glaubhaft zu vermitteln, erscheint eine solch unmotivierte und fehlerhafte Presseinformationen ohne Anlass, Aussage und Substanz jedoch denkbar ungeeignet. Dies ist umso erstaunlicher, als es sich bei den Absendern keineswegs um lokale Taubenzüchtervereine handelt, sondern um Branchenverbände, deren Mitgliedsunternehmen Milliardenumsätze erwirtschaften.
Interessante Aussagen
Immerhin enthält der Text neben den genannten Daten aber auch noch zwei weitere, durchaus interessante Aussagen, die wir nicht unter den Tisch fallen lassen wollen. Bei der ersten geht es um die Art der Leistungen, die besonders gerne online gebucht werden. Dazu gibt es sogar eine anschauliche Grafik:

Der letzte Absatz der Presseinformation widmet sich den Ländern:
„Spanien ist bei den online gebuchten Urlaubsländern unangefochten auf Platz 1. Auf den Rängen 2 bis 5 folgen Ägypten, die Türkei, Tunesien und Deutschland, wie aus einer Erhebung des VIR bei den acht führenden Internet-Reiseportalen Deutschlands zum Geschäftsverlauf im 4. Quartal 2007 hervorgeht.“
Na bitte, es geht doch.
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