Gut, dass Rügens neuer „Jurassic Park“ nicht direkt an der Steilküste liegt, sonst wären die Saurier schon wieder akut vom Untergang bedroht. Im engsten Sinn des Wortes, denn die Kreideküste bröckelt bedenklich. Schon 2005 waren die berühmten Wussower Klinken auf ewig im Meer versunken und der neue Hafen in Lohme teilweise verschüttet worden. Seit dem gab es immer wieder unterschiedlich große Abbrüche und Erdrutsche, zuletzt vor zwei Wochen nördlich von Sassnitz. Alles ganz normal, sagt das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl.
„Die Aufgabe des Nationalparks besteht in der Zulassung natürlicher Prozesse. Küstenveränderungen, Windbrüche usw. werden daher weder als Störfälle noch als Umweltschäden betrachtet! Im besonderen Maße gilt dies für die 12 km lange Kreideküste, an der grundsätzlich alle natürlichen Veränderungen zugelassen werden, sofern nicht Menschenleben direkt gefährdet sind.“
Der Natur ihren Lauf lassen, nennt man das wohl. Für ernsthaft Naturinteressierte hat vermutlich gerade dieser Aspekt seinen Reiz. Ein Nationalpark ist eben kein Disneyland. Und den besten Blick auf die nach wie vor beeindruckenden Kreideformationen hat man sowieso von einem der zahlreichen Ausflugsschiffe, die regelmäßig von den Badeorten aus zu Kreideküstentouren in See stechen.
Die Attraktivität Rügens als Urlaubsziel ist durch die natürlichen Veränderungen des Küstenbildes sicher nicht beeinträchtigt. Zumal das Wahrzeichen der Insel, der markante Königsstuhl, derzeit offenbar nicht akut gefährdet ist. Das kann sich allerdings jederzeit ändern. Ein Grund mehr, den geplanten Besuch der Stubbenkammer nicht auf die lange Bank zu schieben und einmal den erhabenen Blick vom Königsstuhl zu genießen. Bevor es vielleicht doch irgendwann zu spät ist.
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